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Hannelore Roitsch-Schröder leitet seit 40 Jahren den Kindergarten „Kinder-Reich“

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Hannelore Roitsch-Schröder wird von Bürgermeister Christian Porsch für ihre langjährige Tätigkeit geehrt. - Foto: Kreykenbohm
Hannelore Roitsch-Schröder wird von Bürgermeister Christian Porsch für ihre langjährige Tätigkeit geehrt. © Kreykenbohm

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Ihren ersten Tag als Leiterin im Kindergarten „Kinder-Reich“ wird sie nie vergessen. „Hanne, es ist kalt“, kam eine Kollegin ihr entgegen. Irgendetwas stimme mit der Heizung nicht. Dann wurde der ganze Boden aufgefräst, und es stellte sich heraus, dass alle Rohre defekt waren. „Wo bin ich hier gelandet?“, schoss es Hannelore Roitsch-Schröder durch den Kopf.

40 Jahre später kann sie darüber lachen. „Als Leiterin eines Kindergartens wird man schnell kreativ und lernt, Lösungen zu finden.“ Sie hat es nie bereut, nach Bassum gekommen zu sein – obwohl sie nie vorgehabt hatte, dort bis zur Rente zu bleiben.

Nun sitzt sie auf einem kleinen, selbstgebastelteten Thron. Um sie herum hocken die Kinder ihres Kindergartens, auf dem Tisch neben ihr ist vor lauter Blumen kaum noch Platz, während die Mitarbeiter zur Feier des 40-jährigen Dienstjubiläums „Für mich, soll’s rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef anstimmen. „Der Bürgermeister ist da!“, ruft ein kleiner Junge aufgeregt und tatsächlich gesellt sich Christian Porsch mit einem großen Blumenstrauß zu den Feiernden. Neben dem Präsent hat „der Christian“, wie ihn Erzieherin Iris Nielsen vorstellt, auch ein paar Daten und Grußworte im Gepäck: „26 Jahre bist Du bei der Stadt Bassum angestellt. Zuvor warst Du im DRK-Kindergarten Kirchweyhe, 1978 ging es ins Jugendhaus Brinkum und 1992 hast du in Bassum angefangen. Du konntest der Einrichtung deinen Stempel aufdrücken, warst immer dicht dran an der Arbeit und hast den Spagat geschafft als Vertretung für deine Mitarbeiter, für die Kinder und deren Eltern. Mit deinem großen Engagement hast Du deine Aufgabe hervorragend gelöst.“

„Sie wollen wissen und lernen“

Sichtlich bewegt nimmt Roitsch-Schröder die Urkunde von Porsch entgegen. In den vergangenen 40 Jahren habe sich das „Kinder-Reich“ sehr verändert. „Als ich anfing, war es als Halbtagskindergarten gebaut, für Kinder im letzten Jahr vor der Schule.“ Jetzt gibt es Ganztagsgruppen und auch eine eigene Küche. Inklusion oder auch die Arbeit mit Familien mit Migrationshintergrund stellten die Mitarbeiter vor neue Herausforderungen.

Aber die Arbeit habe ihr immer Freude gemacht. „Die Leitung eines Kindergartens ist genau das, was ich will, weil ich so meine Ideen umsetzen kann.“ Was sich in all den Jahren nicht verändert habe, seien die Kinder. „Sie wollen wissen und lernen, können sich an Kleinigkeiten freuen, wie das Pflanzen eines Baumes“, sagt Roitsch-Schröder. Schade sei, dass sie häufig abgelenkt würden, vor allem durch die neuen Medien, und immer weniger draußen spielten.

Höhepunkt war Waldkindergarten

Als ein echter Höhepunkt ist ihr die Eröffnung des Waldkindergartens in Erinnerung geblieben, den sie mithilfe des ehemaligen Bürgermeisters Gerd Stötzel auf den Weg brachte. „Wir waren der dritte in Niedersachsen. Bei der Eröffnung hatte ich Tränen in den Augen.“

Was immer toll gewesen sei, sei die Zusammenarbeit mit der Verwaltung gewesen. „Der Weg zum Bürgermeister war immer kurz und die Mitarbeiter haben uns unterstützt.“ So sei sogar einmal ein Mitarbeiter der Verwaltung als Feuerwehrkraft eingesprungen – im wahrsten Sinne des Wortes. „Eine Kraft fehlte und Peter Cordes war Feuerwehrmann. Er kam in die Einrichtung und so wurde an dem Tag das Thema Feuerwehr behandelt.“

Während die Arbeit mit der Kommunalpolitik gut laufe, stößt ihr die des Landes sauer auf. „Anstatt den Eltern die Beiträge zu erlassen, sollte das Land lieber in die Qualität der Einrichtungen investieren.“ Diese sollten ausgebaut werden, damit zum Beispiel Schlafräume entstehen. Die Gruppen sollten verkleinert werden, damit Kinder und Erwachsene weniger Stress ausgesetzt sind. Zudem müsste mehr Personal angestellt werden.

In dem einen Jahr, das ihr noch bis zur Rente fehlt, möchte Roitsch-Schröder die räumliche Situation weiter am Kochen halten: „Wir brauchen Entlastung, wie zum Beispiel einen Anbau.“

Doch an ihrem Ehrentag sind diese Themen Nebensache. Nachdem auch der Bürgermeister seine Rede beendet hat, bedankt sich die Leiterin bei allen Anwesenden und fragt: „Will noch jemand was sagen?“ „Gibt’s auch Süßigkeiten?“, kräht ein kleiner Junge. Hannelore Roitsch-Schröder muss lachen: „Der Jonas ist ein cleverer Junge, der weiß, wo es langgeht im Leben.“

Zusammen mit ihm verteilt die reichlich Beschenkte im Anschluss kleine Leckereien an diejenigen, die ihr wiederum seit 40 Jahren den Berufsalltag versüßen: die Kinder.

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